Die EU – mit der unser Mann aus Felcsút stets eifrig Streit sucht – ist ebenfalls ein innerer Feind, schließlich ist auch Ungarn EU. Und der nicht existierende „Migrant”, Soros´ Vorhut ist´s ebenfalls. Ich weiß nicht, ob die Aufmerksamkeit des Herrn sich auch auf historische Lehren erstreckt. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass nicht. Deswegen bleibt uns, die wir aktuell im Fadenkreuz sind, nichts anderes, als wie unsere Altvorderen auf die „Richter der Geschichte“ zu hoffen. Sprich darauf, dass er vielleicht endlich einen äußeren Feind findet, den er – nach allen Regeln der Kunst – zu Boden schicken kann. Leider wirft es dann auch das Land, also uns innere Feinde, mit Gewalt um. (…)


Blind oder mutig?

Einem vernünftigen Autokraten gelingt es normalerweise, den Großteil der Bevölkerung in die Irre zu führen. Die Bravour unserer liegt darin, dass es ihnen mit einer wuseligen Minderheiten-Spitzengruppe gelingt so zu tun, als wären sie die Mehrheit. Dafür braucht´s mindestens so eine breite Brust und Mut wie dem blinden Pferd im Witz nachgesagt wird, das ständig gegen die Wand rennt: „Es ist nicht blind, nur mutig!“, sagt der Pferdehändler den potentiellen Kunden nach dem Vorfall.

Nun, der Fidesz und sein Anführer verfügt über Mut. Genau genommen über genau diesen Mut. Ich war mir sicher, dass die Attacke auf die Europäische Union heftig genug war, als dass unser Starker Pista von der nächsten Wand abprallen würde, aber ich habe mich geirrt. Unser ganz eigener Fred Feuerstein klatschte wieder und wieder gegen Beton und rappelte sich auf, nur um, wie der Schwarze Ritter (ohne Gliedmaßen) immer wieder aufs Neue „Unentschieden“ anzubieten. Der Witz ist, dass man´s in seinem Fall annimmt.

Sein neuester Kampf richtet sich gegen Budapest. Aber das wird wirklich der Fall des blinden Pferdes, wobei die Vorbereitung beispielhaft war.


Keine Übermacht in der Hauptstadt

Die Auffrischung des Volks- kontra urbane Bürger-Gezänks und dessen Wurf auf den Medienmarkt beziehungsweise die verschlagene Freundlichkeit des gegen Budapest eingesetzten Regierungsbeauftragten scheint den Kern zu verschleiern: Das Mittel zum erfolgreichen Krieg – die Sicherung der Übermacht – scheint diesmal zu fehlen. Entgegen aller Bemühungen der Kumpane des Fidesz bleibt die urbane Mehrheit von Wahl zu Wahl in der Hauptstadt erhalten.

Mehr noch, hier steht der Regierung nicht eine parlamentarische, sondern eine wirkliche Zweidrittelmehrheit entgegen und der Oberbürgermeister ist ein Teil dieser Mehrheit. Unser Schwarzer Ritter aus Felcsút denkt im Traum nicht daran, sich zu einigen, auch wenn er´s nachdrücklich versprochen hat. Er mag von so etwas nicht einmal hören.

Ihn interessiert nur der Sieg, egal, zu welchem Preis. Sollte er nicht gewinnen, hält er sich selbst ein wenig zurück, holt tief Luft und setzt den Kampf fort. Die Würfel sind gefallen, die Regierung hat mit dem verstärkten Entzug der Gelder den Rubikon überschritten. Ihre Truppen stehen ante portas. Sehen wir endlich, was los ist!


Der hier wiedergegebene Kommentar erschien am 22. Februar in der Onlineausgabe der linksliberalen Wochenzeitung Magyar Narancs.

Aus dem Ungarischen von Elisabeth Katalin Grabow

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