„Wer wie Ungarn Zäune gegen Kriegsflüchtlinge baut oder die Pressefreiheit und die Unabhängigkeit der Justiz verletzt, der sollte vorübergehend oder notfalls für immer aus der EU ausgeschlossen werden“, sagte Asselborn. Er plädierte für eine Änderung des EU-Vertrages, damit ein solcher Ausschluss leichter möglich wird. „Es wäre hilfreich, wenn die Regeln so geändert würden, dass die Suspendierung der Mitgliedschaft eines EU-Landes künftig keine Einstimmigkeit mehr erfordert.“

Der ungarische Außenminister Peter Szijjártó bezeichnete Asselborn als Reaktion auf seine Äußerungen als „unseriöse Figur, er sei belehrend, arrogant und frustriert, ein Nihilist, der schon lange an der Zerstörung der Sicherheit und Kultur Europas arbeitet“. Er betonte, im Verlaufe der Geschichte habe Ungarn immer Europa geschützt und tue das auch jetzt. Die ungarischen Bürger haben das Recht, ihre Meinung zu sagen und zu entscheiden, mit wem sie zusammenleben wollen. Dieses Recht kann ihnen weder von den Bürokraten in Brüssel noch vom luxemburgischen Außenminister genommen werden. „Es ist schon ein wenig merkwürdig, dass Jean Asselborn und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, die aus der Heimat der Steueroptimierung stammen, von gemeinsamer Lastenverteilung in Europa sprechen. Doch was verstehen sie darunter? Ungarn soll die Lasten der Fehler von anderen tragen. Die ungarische Regierung weist dies entschieden zurück.“

Die Äußerungen Asselborns stießen auch bei anderen EU-Politikern auf wenig Verständnis, die meisten distanzierten sich von dieser Haltung. Der deutsche Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte bei seinem Besuch in Lettland: „Wir müssen uns den komplizierten Debatten, die es da manchmal gibt, auch stellen. Der Vorstoß Asselborns ist keine in der EU abgestimmte Haltung. Es ist nicht nach meinem persönlichen Geschmack, einem EU-Mitglied die Türe zu weisen.“ Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz distanzierte sich ebenfalls von Asselborns Forderung. „Es müsse in der Union möglich sein, hart zu diskutieren. Einem Partner medial auszurichten, man wolle ihn nicht mehr dabeihaben, trage nicht zu einem Mehr an Miteinander bei.“ Der lettische Außenminister Edgars Rinkevics bezeichnete Asselborns Vorschlag als „Megaphon-Diplomatie, die nicht weiterhilft“.
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